Manchmal weiß man in den ersten Sekunden, dass ein Termin gut wird. Ich bin in dieses Haus in Tübingen gekommen, habe mich einmal umgesehen und nur gedacht: wow, wie schön.
Ein historisches Fachwerkhaus, frisch renoviert. Helle Wände, altes Holz, hohe Fenster — und durch diese Fenster fiel genau das Licht, das man sonst mit zwei Koffern Technik mühsam nachbaut. Ich hatte keinen dabei. Ich habe nie einen dabei.

Was Lilli brauchte
Lilli Marlen Christ arbeitet als Coach, Trainerin und Coach. Ihr Thema ist Stärkenorientierung: Sie begleitet Einzelpersonen, Führungskräfte und ganze Teams dabei, herauszufinden, was sie eigentlich gut können — und das dann auch einzusetzen. Als zertifizierter CliftonStrengths Coach, mit einem Studium in International Business und Jahren in der Organisationsentwicklung eines Großkonzerns im Rücken.
Lilli und ich haben früher zusammengearbeitet. Das erklärt vielleicht, warum an diesem Vormittag niemand erst auftauen musste — wir kannten uns, bevor die Kamera dabei war.
Sie wollte ihren Webauftritt neu starten und brauchte dafür Bilder — keine Platzhalter, sondern Aufnahmen, die ihre Arbeit tragen können. Ein Portrait für das LinkedIn-Profil. Etwas für die Seite „Über mich“. Und etwas, das über das übliche Beraterfoto hinausgeht.
Über ihrer Startseite steht ein Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf ging: „Stärken sichtbar machen.“ Das ist ihre Arbeit — und zufällig auch meine. Sie macht es mit Fragen, ich mit Licht.
Wer im Beratungsgeschäft arbeitet, verkauft keine Ware, sondern Vertrauen. Und Vertrauen entsteht selten vor einer grauen Studiowand. Deshalb fotografiere ich Business-Portraits fast immer on Location — dort, wo jemand tatsächlich arbeitet oder sich zu Hause fühlt.
Available Light ist eine Haltung, keine Sparmaßnahme
Das komplette Shooting ist im vorhandenen Licht entstanden. Kein Blitz, keine Softbox, kein aufgebautes Set. Das hat einen praktischen Grund und einen inhaltlichen.
Der praktische: In einem Raum wie diesem ist jedes Blitzlicht ein Rückschritt. Das weiche Fensterlicht modelliert das Gesicht besser, als ich es mit Technik hinbekommen würde, und es lässt den Raum als Raum bestehen statt ihn zu einer Kulisse zu machen.
Der inhaltliche: Wer nicht ständig auf Auslöseverzögerung und Blitzleistung achten muss, kann sich unterhalten. Und Menschen, die sich unterhalten, sehen anders aus als Menschen, die posieren. Das ist der ganze Trick — es gibt keinen anderen.

Sechs Bilder, sechs Aufgaben
Wir haben nicht einfach fotografiert, bis genug Bilder da waren. Jedes Motiv hatte einen Zweck: das klassische Profil-Portrait mit offenem Blick, das auf LinkedIn und die Über-mich-Seite gehört. Der Arbeitsmoment mit ihren eigenen Coaching-Karten, der zeigt, was sie tut, statt es zu behaupten. Der Blick durch die Hände — das persönlichste Bild des Tages. Ein radikaler Anschnitt, nur Augen und Stirn, als grafisches Element für die Website. Eine Schwarz-Weiß-Studie, in der das Fachwerkhaus-Licht die ganze Arbeit macht. Und ein ruhiges Auftritts-Portrait, das den Raum dezent im Hintergrund mitlaufen lässt.
Was daraus geworden ist
Das ist der Teil, der mich am meisten freut: Die Bilder liegen nicht in einem Ordner. Sie tragen inzwischen Lillis kompletten Webauftritt — vom Startseiten-Portrait über die Angebotsseiten bis zu den Detailaufnahmen. Wer lillichrist.com aufruft, sieht diesen Vormittag in Tübingen über die ganze Seite verteilt.
Genau dafür mache ich Business-Fotografie. Nicht für ein schönes Einzelbild, sondern für einen Satz Bilder, mit dem jemand ein Jahr lang arbeiten kann.
Und am Ende gab es Maultaschen
Zum Abschluss ging es noch zu Lillis Mutter, die gleich in der Nachbarschaft wohnt. Handgemachte Maultaschen. Ich bin viel unterwegs und esse selten so gut — und ehrlich gesagt sagt dieser Vormittag alles darüber, warum ich lieber zu Menschen fahre, als sie in ein Studio zu bestellen.
Tübingen, Stuttgart, Heilbronn — das ist für mich dieselbe Ecke: ein Termin, kein Reisetag. Wenn ihr Business-Portraits braucht, die nicht nach Katalog aussehen, komme ich zu euch — ins Büro, in die Praxis, in die Werkstatt. Ob ich gerade in der Nähe bin, steht in meinen Tourdaten.





