Es fing mit mehreren Telefonen an, die gleichzeitig wählten.

Sarah und Timo wollten im Standesamt Zehlendorf heiraten. Wer dort einen Termin will, muss am Tag der Terminfreigabe schneller sein als alle anderen — also saßen sie mit mehreren Telefonen da und probierten es parallel. Sie haben den Termin bekommen.

Wenn ihr gerade selbst am Anfang steht: Genau so läuft das. Der Termin steht am Ende oft vor allem anderen fest — vor dem Kleid, vor dem Menü, vor dem Fotografen.

Zu mir kamen die beiden über eine Kette, die typisch für meine Arbeit ist: Ariane war damals mein Standardmodel, über sie lernte ich Sarina kennen, deren Hochzeit mit Gordon ich fotografiert habe — und Sarina ist Sarahs Schwester. Wir kannten uns also schon, bevor irgendjemand von Verlobung sprach.

Vier Wochen vorher, am selben Ort

Am 13. August waren wir schon einmal zusammen unterwegs: Engagement-Shooting im Schlosspark Klein-Glienicke. T-Shirt, kurze Hose, heißer Nachmittag.

Das war kein Aufwärmen und kein Kennenlernen — das hatten wir hinter uns. Es ging um zwei andere Dinge. Erstens: wie Sarah und Timo als Paar vor der Kamera funktionieren. Das ist etwas völlig anderes, als jemanden von einer Familienfeier zu kennen. Zweitens: der Ort. Wo im Park um vier Uhr nachmittags noch Schatten steht. Wo die Sonne durch die Kolonnaden fällt und wo sie einfach nur knallt. Ab 16:35 Uhr hing an dem Nachmittag nur noch ein Objektiv an der Kamera, das 85er — weil bis dahin klar war, was der Ort hergibt und was die beiden hergeben.

Vier Wochen später stand ich mit denselben zwei Menschen an derselben Löwenfontäne. Diesmal im Brautkleid. Und ich musste nichts mehr suchen.

Engagement-Shooting im Schlosspark Klein-Glienicke: Sarah und Timo in T-Shirt und kurzer Hose vor der Löwenfontäne.
Sarah und Timo küssen sich im Brautkleid vor derselben Löwenfontäne wie vier Wochen zuvor.

Das ist der ganze Grund, warum ich das so mache. Nicht wegen der zusätzlichen Bilder — die sind ein netter Nebeneffekt. Sondern weil am Hochzeitstag niemand Zeit hat, einen Ort zu erkunden. Wenn ich morgens ankomme, ist der Tag schon voll.

Der Tag

Getting Ready bei beiden. Beim Getting Ready der Braut bin ich fast immer dabei — bei Sassy und Andi in Heilbronn zum Beispiel. Hier bin ich zusätzlich zwischen Salon und Wohnung hin und her gependelt, damit auch vom Bräutigam mehr übrig bleibt als das eine Bild, auf dem ihm jemand den Anstecker ansteckt. Die Vorbereitung ist bei beiden eine Geschichte, und meistens wird nur eine davon erzählt.

Dann Zehlendorf: die Braut, das Treppenhaus, der Kuss, die Ringe. Das Treppenhaus habe ich von oben senkrecht nach unten fotografiert — ein weißes Oval, ganz unten wartet jemand. Solche Perspektiven suche ich, wo ich sie finde.

Und dann die Fahrt. Quer durch die Stadt, in einem roten Oldsmobile-Cabrio mit Berliner H-Kennzeichen. Ich lag im Kofferraum eines Kombis und habe nach hinten heraus fotografiert. Danach Fahrzeugwechsel und weiter durch das Schiebedach. Das steht in keinem Angebot und keiner Preisliste — das ergibt sich, wenn man den Tag ernst nimmt.

Ziel war Schloss Glienicke, und damit zurück an den Ort vom August. Erst die Paarbilder im Park, an der Löwenfontäne und unter den Platanen, dann die Feier im Schloss. Was für eine Location.

Abends ging es bis in die Puppen. Ich habe fotografiert, bis ich zu müde war.

Was das für euch heißt

Ich bringe keinen Lichtkoffer mit. Ich arbeite mit dem Licht, das da ist — auch wenn es mittags hart von oben kommt oder abends nur noch farbige Lampen übrig sind. Das ist keine Sparmaßnahme, sondern eine Entscheidung: Bilder, die nach eurem Tag aussehen und nicht nach Ausleuchtung.

Und wenn ihr im Schloss Glienicke heiratet oder irgendwo sonst in Berlin: Lasst uns vorher einmal gemeinsam an euren Ort gehen. Dann kennt ihr mich, ich kenne euren Ort — und am Hochzeitstag muss keiner mehr suchen. Wo ich gerade unterwegs bin, steht in meinen Tourdaten.