Ich nenne es gefundenes Licht. Available Light klingt nach Fachbegriff, aber gemeint ist etwas Einfaches: Ich bringe kein Licht mit. Ich suche das, was ohnehin da ist — und wenn ich es gefunden habe, stelle ich den Menschen hinein. Portraitfotografie Nürnberg heißt bei mir genau das — und dieser Tag mit Sigi ist das beste Beispiel dafür, das ich habe.

Kurz angefragt, weil ich sowieso vorbeikam

Mit Sigi hatte ich vorher schon zwei- oder dreimal fotografiert. Ich war auf der Durchreise zu einem Fotomeeting und musste ohnehin durch Nürnberg. Also habe ich kurz gefragt, ob sie Zeit hat. Sie hatte.

So entstehen die meisten meiner freien Projekte: nicht aus einem Plan, sondern aus einer Route und einer kurzen Nachricht.

Kongresshalle: Säulen, Licht und der Leo-Mantel

Getroffen haben wir uns an der Kongresshalle. Die Säulen, das einfallende Licht — überdachte Situationen wie diese sind für mich wie eine riesige Softbox. Weich, gerichtet, und man muss nichts aufbauen. Dazu Sigis Leo-Mantel, der in dieser strengen Architektur genau den Bruch erzeugt hat, den ich suche.

Zeppelinfeld: Höhenangst und bedrohliche Wolken

Weiter zum Zeppelinfeld. Ein Ort mit schwerer Geschichte, das gehört dazugesagt — wir waren dort wegen der Weite und des Himmels.

Sigi hat extreme Höhenangst. Trotzdem ist sie auf der Steinmauer balanciert. Das sieht man den Bildern an, und genau deshalb sind sie gut: Da steht kein Model in einer Pose, da steht ein Mensch, der etwas überwindet. Die Wolken im Hintergrund hatten an dem Nachmittag etwas Bedrohliches. Was für Bilder.

Auf der Start-Ziel-Geraden wurde es dann anders: der Glencheck-Overall mit dem Race-Schriftzug, gerade Linien, klare Kante. Ein zweiter Look, ohne den Ort zu wechseln.

Abends Richtung Bahnhof

Als es dunkel wurde, sind wir Richtung Bahnhof gelaufen und haben die Beleuchtung genutzt, die die Stadt uns hingestellt hat. Schaufenster, Straßenlaternen, Leuchtreklame. Auch das: gefundenes Licht. Kein Blitz, kein Aufsteller, kein Stativ.

Die Bilder

Ein Tag, vier Orte, ein Licht — und keine einzige Lampe im Kofferraum. Genauso arbeite ich auch im Auftrag: bei Charakter-Portraits, bei Sedcards und bei Business-Aufnahmen. Was sich ändert, ist der Anlass. Nicht die Arbeitsweise.

Wie freie Projekte bei mir zustande kommen, steht auf der Seite TFP & freie Projekte. Und wenn ihr auf meiner Route liegt, findet ihr die aktuellen Tourdaten hier — Nürnberg war damals nichts anderes als ein Zwischenstopp.

Mehr von Sigi gibt es auf ihrer Seite: my lovely cosmos.

Euer Peter aka creazyfoto