Der Satz fällt fast immer. Manchmal am Telefon, manchmal erst beim Vorgespräch, und meistens sagt ihn einer von beiden für beide: „Wir sind total unfotogen.“ Danach kommt eine Begründung — der eine lacht komisch, die andere weiß nie, wohin mit den Händen, auf dem letzten Familienfoto sahen beide aus wie bestellt und nicht abgeholt.
Ich glaube euch das sofort. Ich glaube nur nicht, dass es an euren Gesichtern liegt.
Warum der Spiegel schmeichelt und das Foto nicht
Dafür gibt es eine ziemlich unromantische Erklärung. Dein Gesicht ist nicht symmetrisch, und du kennst nur eine der beiden Fassungen wirklich gut: die aus dem Spiegel. Die siehst du jeden Morgen. Das Foto zeigt die andere, seitenverkehrt zu allem, was du gewohnt bist — und weil wir das für vertraut halten, was wir oft sehen, wirkt die ungewohnte Fassung erst einmal falsch. Die Psychologie nennt das den Mere-Exposure-Effekt.
Das Praktische daran: Deine Freunde sehen auf dem Foto genau das Gesicht, das sie kennen. Sie finden das Bild gut. Nur du siehst ein bisschen Fremdheit. Wenn also alle sagen „das bist doch du“ und du findest es trotzdem daneben — dann haben eher die anderen recht.
Steif wird man nicht vom Gesicht, sondern vom Zuschauen
Der zweite Grund ist der, an dem ich tatsächlich etwas ändern kann. Die meisten Menschen sind nicht nicht fotogen — sie sind nur nicht daran gewöhnt, dass ihnen jemand zusieht. Und auf einer Hochzeit schaut plötzlich jemand zu, mit einer Kamera, den ganzen Tag.
Deshalb stelle ich niemanden hin. Ich warte, bis ihr etwas zu tun habt. Wer die Hände beschäftigt hat, denkt nicht mehr über die Hände nach.

Das ist kein Trick, sondern der Unterschied zwischen einem Portrait und einer Reportage. Beim Portrait schaut man in die Kamera. In einer Reportage passiert etwas, und die Kamera ist dabei. Der zweite Weg verlangt von euch nichts, außer dass ihr euren eigenen Tag lebt.
Was wirklich hilft: einmal vorher üben
Wenn ihr trotzdem Bauchschmerzen habt, gibt es einen Weg, der fast immer funktioniert: ein Engagement-Shooting. Ein Termin vor der Hochzeit, ohne Kleid, ohne Anzug, ohne Gäste. Ein bis zwei Stunden, in denen nichts auf dem Spiel steht.
Der Punkt ist nicht, dass dabei schöne Bilder entstehen — die entstehen nebenbei. Der Punkt ist, dass ihr mich am Hochzeitstag schon kennt. Ihr wisst, wie ich mich bewege, wie nah ich komme, wann ich nichts sage. Und ich weiß, wer von euch beiden zuerst nervös wird und wer das mit einem Witz überspielt.
Wie das aussieht, könnt ihr euch bei Sarah und Timo in Berlin ansehen: erst das Engagement-Shooting, vier Wochen später die Hochzeit — teilweise an derselben Stelle. Die Bilder nebeneinander sind das beste Argument, das ich habe.
Ein eigenes Produkt ist das bei mir nicht. Ich nehme es als eigenen Punkt mit ins Hochzeitsangebot — sagt bei der Anfrage einfach Bescheid, dann steht es mit drin und ihr seht, was es ausmacht.
Wann ihr euch das sparen könnt
Ein Engagement-Shooting kostet Zeit und Geld, und es ist nicht für jedes Paar nötig. Wenn ihr ohnehin gern fotografiert werdet, braucht ihr es nicht. Wenn euer Tag klein ist und ihr euch dabei wohlfühlt, auch nicht.
Und eine Erwartung möchte ich euch nehmen: Aus jemandem, der sich vor der Kamera grundsätzlich unwohl fühlt, macht ein Vortermin keinen anderen Menschen. Er nimmt der Kamera die Fremdheit, mehr nicht. Das reicht in den allermeisten Fällen — aber wenn einer von euch beiden es wirklich hasst, fotografiert zu werden, dann sagt mir das lieber vorher. Dann plane ich den Tag anders, mit mehr Abstand und weniger Nähe, statt so zu tun, als wäre das kein Thema.
Der eine Satz, der bleibt
Ich will keine Bilder, auf denen ihr aussieht wie Models. Ich will Bilder, die nach euch aussehen und nicht nach Kulisse. Das ist bei Menschen, die sich für unfotogen halten, sogar leichter — sie haben nämlich gar nicht erst eine Pose, hinter der sie sich verstecken könnten.
Ein Beispiel, das mir dazu immer einfällt: Sassy ist selbst Hochzeitsfotografin, Andi spielt Fußball. Für ein paar Bilder haben wir beiden genau das in die Hand gegeben — ihr die Kamera, ihm den Ball. Nicht als Requisite, sondern weil niemand über seine Haltung nachdenkt, solange er etwas tut, das er ohnehin kann. Das ist der ganze Trick, und ihr könnt ihn mir vorher verraten: Sagt mir, was ihr beide gern macht.

Wenn ihr gerade dabei seid, euren Termin zu planen: Im Ratgeber Wann müsst ihr euren Hochzeitsfotografen buchen? steht, wie viel Vorlauf ihr wirklich braucht — und wann ein Engagement-Shooting zeitlich überhaupt noch dazwischenpasst.